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Kein ausgebildeter Therapiehund, aber durchaus geeignet

Hunde unterstützen uns auch bei der Bewältigung von Krisen. Als Therapiehunde helfen sie uns, Stress abzubauen und verbessern unser Wohlbefinden. Aber wie geht es den Hunden dabei? Eine aktuelle Studie regt zum Nachdenken an.

Hunde sind nicht nur die treuesten Begleiter des Menschen, sie übernehmen auch viele nützliche Aufgaben. Sie helfen uns bei der Jagd, beim Aufspüren gesuchter Menschen (Tiere, Substanzen, Krankheiten etc.) oder schützen uns.

Hundetherapien

Zu den recht neuen Berufszweigen für Hunde gehören die Tiergestützte Therapie (TGT) und Tiergestützte Arbeit (TGA), in der sie Menschen mit Behinderungen helfen oder denen, die emotional oder psychisch stark belastet sind. Bei der TGT hilft der ausgebildete Therapiehund einem Therapeuten bei der Behandlung von Patienten, etwa im Rahmen der Psycho- oder Physiotherapie. Zur TGA zählen dann die Service- oder Assistenzhunde, etwa Blindenführ- und Behindertenbegleithunde. Auch Besuchshunde gehören dazu, die im Team mit ihrem Hundeführer z.B. die Bewohner von Pflege- und Altenheimen besuchen, um deren Wohlbefinden und Lebensqualität zu verbessern. Vor allem in den USA und Kanada arbeiten solche Hund-Mensch-Teams auch auf Universitätsgeländen mit Studenten. Diesen helfen sie, ihren Prüfungsstress und damit verbundene Gesundheitsprobleme zu überwinden. Nebenbei heben sie die Lebensqualität und unterstützen das Sozialleben der Studenten, quasi als „streichelnde Verbindung“.

Natürlich müssen alle Hunde, die in diesen Bereichen tätig sind, sehr gut sozialisiert sein und eine besondere Ausbildung hinter sich haben. Und natürlich gibt es Vorschriften zum Schutz der beteiligten Menschen (Entwurmung, Impfung der Hunde), aber auch der Hunde, z.B. indem deren Arbeitszeit begrenzt ist, um eine Überforderung zu vermeiden.

Stress ist keine Ausnahmeerscheinung, wie hier nach einem Schreck, sollte sich aber in Grenzen haltenBefinden der Therapie-/Assistenzhunde

Aber wer überprüft, wie gut es den Hunden bei ihrer Arbeit geht? Ob sie nach besonders belastenden Situationen etwa starken Stress empfinden? Denn die Hundeführer achten zwar darauf, dass ihre tierischen Mitarbeiter nicht schlecht behandelt oder überfordert werden, aber nicht jeder Klient/Patient kennt sich im Umgang mit Hunden aus und kann sich als Stressor erweisen. Natürlich muss nicht jeder Hund in solchen Sitzungen stark gestresst sein, denn eine gewisse Aufregung im Umgang mit Menschen ist durchaus normal und stellt positiven Stress dar. Der Frage nach dem Stress der Hunde beim Anti-Stress-Training sind Haley Silas und ihr kanadisches Team nachgegangen. Sie bewerteten Stresslevel von 40 Hunden, die im Team mit ihren 40 Hundeführern über 700 Studenten beistanden und zwar zu drei Zeitpunkten jeder Sitzung: 10 Minuten nach Ankunft auf dem „Therapiegelände“, nach einer halben Sitzung sowie an deren Ende. Als Indikatoren für Stress galten u.a. Hecheln, Bellen, Wimmern, Zittern, Gähnen, Nase-Lecken, Pfote-Heben und Wegschauen. Zusätzlich bewerteten die Studenten und Hundeführer den Stress der tierischen Helfer, die Halter außerdem daheim, in der Hunde-Freizeit.

Stress beim Anti-Stress-Training

Die Ergebnisse sind teilweise ernüchternd: Wie erwartet ließ bei den Studenten der Stress zum Ende der Sitzungen nach, und sogar bei den Hundeführern. Einige der Hunde zeigten am Ende jeder Sitzung allerdings höhere Stresslevel als in ihrem Heim, außerhalb der Therapiesitzungen. Und der Stress der Hunde war umso stärker, je mehr die Hundeführer am Anfang der Sessions gestresst waren. Bei den engen Beziehungen jedes Teams wundert es nicht, dass sich Emotionen und auch damit verbundener Stress von Mensch auf Hund überträgt. Zusammenhänge zwischen dem Befinden von Hunden und Persönlichkeitsmerkmalen ihrer Halter haben Wissenschaftler schließlich schon früher herausgefunden. Diese Studie zeigt allerdings auf, wie wichtig eine ruhige, stabile Persönlichkeit bei der TGA und TGT auch für den menschlichen Partner ist, damit der Hund nicht gestresst aus der Arbeit kommt und am Ende selbst eine Therapie braucht.

Unklar ist noch, wie normal diese erhöhten Stresslevel am Ende der Arbeit einzustufen sind. Für diese Einschätzung wäre es sinnvoll, die Hunde in anderen aufregenden Situationen zu bewerten, etwa neben der Trainings-Sitzung auch während einer Tierarztuntersuchung und auf der Hunde-Spielwiese. Damit ließe sich für jeden Hund individuell herausfinden, ob er bei seiner Arbeit eine angenehme Aufregung oder unangenehmen Stress empfindet – und die Therapie für alle positiv endet.

Quelle: Silas, H.J., J.-T. Binfet & A.T. Ford (2019): Therapeutic for all? Observational assessments of therapy canine stress in an on-campus stress-reduction program. – Journal of Veterinary Behavior, 32: 6–13.

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